4 Fragen zum Thema Aerospace-Testing

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Wie steht es aktuell um die Aerospace-Testing-Branche? testxchange sprach hierzu mit Hans-Jörg Dau, Geschäftsführer der DAUtec GmbH.

Die Luftfahrtbranche ist eng mit zahlreichen Wirtschaftszweigen verflochten und ist daher immer wieder starken Veränderungen unterworfen. Das jüngste Beispiel ist die aktuelle COVID-19-Pandemie mit den damit verbundenen Reisewarnungen und -beschränkungen. Da moderne Luftfahrzeuge aus einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten bestehen und zahlreichen Regularien unterworfen sind, spielen spezialisierte Prüfdienstleister in der Branche eine wichtige Rolle. Dies gilt sowohl für die Entwicklung von Fluggeräten als auch für die Untersuchung von Flugunfällen. testxchange sprach zum Thema Aerospace Testing mit Hans-Jörg Dau, Gründer und Geschäftsführer der DAUtec GmbH sowie Beauftragter für Flugunfalluntersuchung bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig.

Herr Dau, die Corona-Pandemie hat die Luftfahrtbranche weltweit massiv getroffen. Welche Auswirkungen konnten Sie auf den Bereich Aerospace Testing beobachten? Hat sich z.B. die quantitative Nachfrage nach Prüfungen in diesem Sektor verändert, oder sind nun, etwa aufgrund neuer Hygienemaßnahmen, andere Tests gefragt als zuvor?

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Grenzschließungen sowie Reisebeschränkungen kam der Passagierflugverkehr in vielen Ländern fast zum Erliegen. Mittlerweile wurden einige Reisebeschränkungen wieder aufgehoben, es sind jedoch immer noch bedeutend weniger Passagierflugzeuge im Vergleich zum Vorjahr unterwegs. Mittel- und langfristige Folgen in Bezug auf das Testing sind für uns immer noch nicht explizit absehbar. Wir haben unseren Betrieb entsprechend der Regularien aufgestellt; bieten weiterhin unser Witnessing für unsere Kunden an und sind davon abhängig, wie schnell die Luftfahrt wieder „auf die Beine“ kommt. Derzeit arbeiten wir, teils mit Partnern, an einer Art Leuchtturmprojekt, um die zukünftige Luftfahrt nachhaltig mit neuartigen Konzepten für Pandemien zu wappnen. Gleichzeitig ergreifen auch unsere großen Kunden die Initiative für zukunftsweisende Konzepte, um ein „hygienisch sicheres Fliegen“ voranzutreiben. Somit ergeben sich für uns, als Umweltlabor, neue Qualifizierungsmöglichkeiten. Selbst sind wir gerade dabei eine von uns neu entwickelte Wasserarmatur mit integriertem Berührungs- und Kontaminierungsschutz zu vermarkten.

Welche neuen Entwicklungen und Trends konnten Sie darüber hinaus in den letzten Jahren allgemein bei den Kundenanforderungen im Bereich Aerospace Testing beobachten? Sind hier beispielsweise neue Materialien oder Technologien in den Fokus gerückt? Oder sind neue Akkreditierungen gefragt?

Als erkennbaren Trend lassen sich klar digitale und elektronische Bauteile und einhergehende Anforderungen nennen. Diese Entwicklung vereinfacht die Thematik bezüglich Störungen im Flugzeug keineswegs, schafft jedoch weitgehende Prüffelder für tätige Umweltlabore; insbesondere im EMV-Bereich. Zudem hat sich über die Jahre die Kundenanforderung nach einer Akkreditierung herauskristallisiert. Eine Akkreditierung setzt prinzipiell das Signal, der Kunde könne sich auf einen zertifizierten Standard in einem Labor verlassen. Anzumerken sei hier, dass eine Akkreditierung kein Garant für die Richtigkeit der Auswertung von Testergebnissen ist. Diese interdisziplinären Kenntnisse und Erfahrungswerte unserer Mitarbeiter, im Bereich der Luftfahrt, sind unserer Ansicht nach hier vorrangig von Bedeutung.

Wie hat die Digitalisierung Ihren Arbeitsalltag verändert? Setzen Sie und Ihre Kunden zum Informationsaustausch und zum Management der Prüfprojekte verstärkt digitale Tools ein?

Wir arbeiten mit allen notwendigen Standards was die Thematik Digitalisierung angeht. Oft passen wir dies den Wünschen unserer Kunden an. Manche Projekte erfordern bestimmte Datenschutzregularien; welche eine 4.0.-Digitalisierung nicht zulassen; andererseits bemerken wir auch neue Konzepte bei Partnerlaboren im Umgang mit dem Dokumentenmanagement. Intern haben wir ein Projektmanagementtool etabliert, welches uns die Projektplanung in digitaler Form und den Austausch zu Deadlines mit dem Kunden erleichtert. Nach wie vor betreuen wir unsere Kunden vorzugsweise gern persönlich und mit unseren eigenen Erfahrungen aus dem Bereich Aerospace Testing. Kurz gesagt, an der Digitalisierung führt in der Wirtschaft kein Weg vorbei und nicht alle Innovationen bedeuten nur Nach- oder Vorteile. Aber als ein Dienstleistungsunternehmen bleibt die persönliche Beratung vor, während und nach dem Testing unser Grundpfeiler und kann nicht durch digitale Tools ersetzt werden. Erfahrungswerte durch eigene Flugtätigkeiten, langjährige Labortätigkeiten und Untersuchungen von Flugunfällen (in Zusammenarbeit mit der BFU) lassen sich eher schwierig digital abbilden und sind gegenüber unseren Kunden nur in der persönlichen Beratung einzubringen.

Wie groß ist die Bandbreite an Prüflingen, mit denen Sie im Prüflabor zu tun haben? Was sind beispielsweise die größten/kleinsten Prüfobjekte, die Sie bearbeiten?

Die Bandbreite der Prüfobjekte ist an unsere Teststände und Kundenanforderungen gekoppelt. Unsere kleinsten Prüfobjekte waren bisher LED-Lämpchen (H x B: 1cm x 1cm) und RFID-Chips (4cm x 1cm), welche EMV-, Temperatur- und Flüssigkeitstests unterzogen wurden. Auf der anderen Seite haben wir Overhead Bins getestet, welche schon mehr Platz auf dem Teststand in Anspruch nahmen. Zudem haben wir auf unserer Zentrifuge einen Bord-Trolley (103cm x 30,5cm) und in unserem Waterproofness-Teststand einen Ofen (65cm x 36cm) getestet. Hier ist unsererseits noch Luft nach oben - größere Units mit den maximalen Abmaßen von 90cm x 200cm können auf unserem Waterproofness-Testand ebenso getestet werden. Auf unserer Zentrifuge findet sich noch ein wenig mehr Raum für größere Bauteile; mit den maximalen Abmessungen von 130cm x 200cm.

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EMV-Tests gehören zu den wichtigsten Prüfverfahren im Aerospace-Sektor (Bild: DAUtec GmbH)