Normgeber im Profil - Teil 2: UNE, AFNOR, UNI

testxchange
Normungsorganisationen

Nachdem es im ersten Teil unserer Serie um Normgeber im deutschsprachigen Raum ging, wenden wir uns heute drei Normungsorganisationen aus dem Mittelmeerraum zu.

Die Mittelmeerländer Spanien, Frankreich und Italien gehören zu den wichtigsten Industrienationen Europas. Ähnlich wie in den deutschsprachigen Ländern, die im ersten Teil unserer Serie behandelt wurden, sind auch hier national anerkannte Normungsorganisationen vorhanden.

Asociación Española de Normalización (UNE)

Logo UNE.png

1986, im Jahr des spanischen Beitritts zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, wurde die Asociación Española de Normalización y Certificación (AENOR) gegründet und als nationale Normungsorganisation Spaniens anerkannt. Zuvor war das staatliche Instituto de Racionalización y Normalización (IRANOR) für Normungsaufgaben verantwortlich. In den Jahren 1997 und 2001 öffnete AENOR auch Niederlassungen in Mexiko und Chile. 2017 schließlich erfolgte eine Unterteilung in die heutige Asociación Española de Normalización (UNE) als staatlich anerkannte Normungsorganisation sowie ihrer Tochterfirma AENOR, die neben dem Vertrieb von UNE-Normen unter anderem verschiedene Dienstleistungen in den Bereichen Wissensmanagement, Zertifizierung, Inspektion und Prüfung anbietet. International repräsentiert UNE Spanien bei ISO, IEC, CEN, CENELEC sowie COPANT und ist an mehreren internationalen Kooperationsprojekten beteiligt. Aktuell arbeiten über 12.000 Experten aus 6.000 privaten oder öffentlichen Organisationen an der Normgebung mit, unterteilt in derzeit 219 Komitees.

Zu den über 32.000 UNE-Normen gehören auch zahlreiche Prüfnormen, die für die Arbeit von Prüfdienstleistern relevant sind. Dazu gehören etwa Prüfverfahren für Weinkorken, Tests von Photovoltaikkomponenten oder Prüfungen des Brandverhaltens von Baustoffen.

Association française de normalisation (AFNOR)

AFNOR-Logo

Die französische Normungsorganisation Association française de normalisation (AFNOR) wurde 1926 gegründet. 1947 und 1961 war sie Gründungsmitglied von CEN und ISO. In den Jahren 2014 und 2019 übernahm sie von der Union technique de l'électricité (UTE), dem bis dahin wichtigsten elektrotechnischen Normgeber Frankreichs, zunächst sämtliche operativen, anschließend auch alle strategischen Normungsaufgaben. Heute hat AFNOR rund 2500 Mitgliedsunternehmen. Zertifizierungs- und Schulungsdienstleistungen werden von den Tochterunternehmen AFNOR Certification und AFNOR Compétences angeboten. Diese bilden zusammen mit AFNOR Éditions und AFNOR Normalisation die Groupe AFNOR. AFNOR Éditions ist dabei zuständig für den Normenvertrieb, während AFNOR Normalisation die Normungsaufgaben übernimmt.

Ergebnis dieser Normungen sind die sogenannten NF-Normen. Viele dieser Normen sind Prüfnormen, darunter beispielsweise diverse Prüfverfahren für Wasserproben oder Kunststoffprüfungen.

Ente Nazionale Italiano di Unificazione (UNI)

Logo UNI

Die Ente Nazionale Italiano di Unificazione (UNI), auch als Ente Italiano di Normazione bezeichnet, wurde 1921 als Normungsorganisation für die mechanische Industrie gegründet (UNIM). 1928 wurde ihr Aufgabenbereich auf weitere Industrien ausgedehnt und der Name in UNI geändert. Die Organisation vertritt Italien beim CEN und der ISO und hat heute über 4100 Mitglieder aus verschiedensten Bereichen. In über 1000 Gremien wirken diese an Normungsaufgaben mit. Unterstützt werden sie dabei von aktuell sieben unabhängigen Enti Federati, die jeweils auf bestimmte Industriebereiche spezialisiert sind und zu diesen Bereichen bestimmte Aufgaben übernehmen. Beispiele sind das CIG (Comitato Italiano Gas), die CUNA (Commissione Tecnica di Unificazione nell'Autoveicolo) sowie die auf Kunststoffe spezialisierte UNIPLAST (Ente Italiano di Unificazione nelle Materie Plastiche). Alle Normungsaktivitäten werden dabei vom obersten UNI-Organ, der Commissione Centrale Tecnica (CCT), koordiniert.

Unter den über 1500 UNI-Normen, die auf diese Weise Jahr für Jahr veröffentlicht werden, finden sich auch viele Prüfnormen, mit denen Prüfinstitute arbeiten. In diesen Normen sind diverse Prüfverfahren definiert, etwa zur Prüfung des Brandverhaltens verschiedener Prüfobjekte.

Prüflabore für UNE-, NF- und UNI-Normen finden

testxchange

Ein großer Teil aktueller Normen aus Spanien, Frankreich und Italien basiert heute auf internationalen Normen, die von ISO und CEN entwickelt wurden. In diesen Fällen existiert häufig auch in anderen Ländern eine äquivalente nationale Norm, so dass Sie Ihre Prüfung unter Umständen beispielsweise gemäß NF-EN-ISO-Norm von einem französischen Labor oder gemäß der äquivalenten DIN-EN-ISO-Norm von einem Labor in Deutschland durchführen lassen können. Auf dem internationalen Prüflabor-Marktplatz testxchange lassen sich Prüflabore aus verschiedenen Ländern anhand von Norm-Suchbegriffen finden. Wer eine Prüfung nach UNE-, NF- oder UNI-Normen benötigt, kann dort auch eine kostenlose Anfrage stellen, um Angebote entsprechender Labore einzuholen.