Prüfungen für Sicherheit: Militärnormen im Überblick

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Was sind Militärnormen, seit wann gibt es sie und welchen Zweck haben sie? Darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Egal ob Fahrzeuge, Waffen, Kleidung oder elektronische Geräte: Die Funktionsfähigkeit von militärischer Ausrüstung kann nicht nur in Gefechtssituationen über Leben und Tod entscheiden. Daher produzieren die Ausrüster von Streitkräften weltweit nach verschiedenen militärischen Standards, auch Militärnormen genannt. Was genau hat es damit auf sich?

Ursprung von Militärnormen

Als frühes Beispiel für die Standardisierung von Militärausrüstung gilt die “marianische Heeresreform” des römischen Feldherrn Gaius Marius im 2. Jahrhundert vor Christus, dem unter anderem die Vereinheitlichung der römischen Kriegswaffen zugeschrieben wird. Im späteren Verlauf der Weltgeschichte sind vielerorts Beispiele von Militärführungen dokumentiert, die die Wichtigkeit von Normen erkannten, um die Funktion, Wartung, Austauschbarkeit und Logistik von Militärausrüstung zu optimieren. Ein prominentes Beispiel ist der US-amerikanische Fabrikant Eli Whitney, der ab 1799 für die US-Regierung große Mengen an Musketen aus austauschbaren normierten Einzelteilen produzierte. In Deutschland war die Gründung des Normenausschusses der Deutschen Industrie (später Deutsches Institut für Normung) 1917 auch für militärische Bedarfe von großer Bedeutung, da zum Beispiel die in der allerersten DIN-Norm DIN 1 normierten Kegelstifte auch in dem vom deutschen Heer eingesetzten Maschinengewehr 08/15 zum Einsatz kamen.

Militärnormen heute

Im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts nahm die Bedeutung von Militärstandards stetig zu. In vielen Ländern etablierten sich hierfür die jeweiligen nationalen Normungsorganisationen als wichtigste Ansprechpartner. In Deutschland beispielsweise arbeitet DIN bereits seit über 60 Jahren mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) zusammen. Im Jahr 1957, nur zwei Jahre nach Gründung der Bundeswehr, entstand aus dieser Zusammenarbeit die erste Militärnorm in der Geschichte der Bundesrepublik, und seitdem veröffentlichte der DIN-eigene Beuth Verlag jedes Jahr rund 100 weitere. In Frankreich kooperiert die nationale Normungsorganisation AFNOR ebenfalls eng mit dem Verteidigungsministerium. Neben nationalen Normgebern wirken häufig auch diverse weitere Akteure an Militärnormen mit, etwa Forschungseinrichtungen wie das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe (WIWEB) oder private Rüstungsunternehmen. Letztere arbeiten bei der Entwicklung von Rüstungsgütern auch nach eigenen Werksnormen.

Militärnormen international

Immer mehr nimmt auch die internationale Zusammenarbeit in der Standardisierung von rüstungsrelevanten Anwendungen zu. 2005 beispielsweise legten die britische Militärnormungsorganisation UK Defence Standardization (DSTAN), DIN, das Rüstungsunternehmen QinetiQ, WIWEB und BWB den Grundstein für das erste deutsch-britische Normungsprojekt: die Entwicklung einer gemeinsamen Norm für Enteisungsmittel auf Militärflugplätzen. Neben bilateralen Kooperationen gewinnen auch der multinationale Austausch für die militärische Normung an Bedeutung. Im European Defence Standards Reference System (EDSTAR) etwa stellt die Europäischen Verteidigungsagentur ein Verzeichnis rüstungsrelevanter “Best-Practice”-Normen bereit, die in Zusammenarbeit zwischen europäischen Industrieunternehmen und Regierungsorganisationen ausgewählt wurden.

Militärnormen in zivilen Bereichen

Häufig sind Militärnormen nicht strikt von zivilen Anwendungen getrennt bzw. bestimmte Industrienormen werden sowohl für militärische als auch für zivile Einsatzzwecke entwickelt. Das Akkreditierungssystem Nadcap (National Aerospace and Defense Contractors Accreditation Program) beispielsweise ist sowohl für Rüstungsunternehmen als auch für alle zivilen Luftfahrtunternehmen relevant. Auch Prüflabore, die Prüfungen im Rüstungssektor vornehmen, müssen häufig eine Nadcap-Akkreditierung vorweisen.

Immer öfter werben darüber hinaus Hersteller von Consumer-Electronics- und sonstigen Produkten mit der US-Militärnorm MIL-STD-810, die verschiedene Umweltprüfungen umfasst, etwa Bewitterungstests oder Salzsprühnebelprüfungen. So soll etwa für tragbare Geräte wie Mobiltelefone und Laptop-Computer eine besonders hohe Robustheit suggeriert werden. Da die Verwendung der Normangabe MIL-STD-810 auf Produktverpackungen jedoch nicht streng reglementiert ist, sind entsprechende Angaben von begrenzter Aussagekraft. Teilweise versprechen Hersteller lediglich die Konformität mit einem kleinen Teil der zahlreichen in der Norm definierten Prüfungen. Und selbst diese wenigen Prüfungen werden nicht immer von Prüflaboren tatsächlich durchgeführt, sondern es wird auf rein theoretischer Grundlage versprochen, dass das Produkt den entsprechenden Anforderungen entspreche.

Prüflabore für Militärnormen

Verlässliche Prüfungsergebnisse sind jedoch nur mit einem Prüflabor möglich, das Prüfungen nach Militärstandards anbietet. Um hierfür passende Labore zu finden, ist es zum Beispiel möglich, die kostenlose Online-Plattform testxchange zu nutzen. Ein Hersteller, der etwa bestimmte Prüfungen nach MIL-STD-810 durchführen lassen möchte, kann hier in wenigen Minuten eine kostenlose Anfrage stellen, damit sich mehrere qualifizierte Labore bei ihm für den Auftrag bewerben können.