DIN EN IEC 62368-1 VDE 0868-1:2025-01

Einrichtungen für Audio/Video-, Informations- und Kommunikationstechnik. Teil 1: Sicherheitsanforderungen

  • Zweck: Sicherheitsstandard für elektrische/elektronische Geräte, der auf Hazard-Based Safety Engineering (HBSE) basiert, um Gefahren durch Energiequellen (elektrisch, thermisch, mechanisch) zu minimieren.

  • Anwendungsbereich: Audio/Video-Geräte, IT- und Telekommunikationsgeräte (z. B. Router, Monitore, Server). Outdoor-Geräte, Geräte mit drahtloser Energieübertragung (z. B. induktive Ladesysteme).

  • Energieklassen: Klasse 1: Wahrnehmbar, aber nicht schädlich. Klasse 2: Schmerzhaft, aber keine Verletzung. Klasse 3: Verletzungsrisiko oder Brandgefahr.

  • Benutzerkategorien: Laienpersonen: Ohne Fachwissen (z. B. Endverbraucher). Unterwiesene Personen: Grundkenntnisse (z. B. Techniker). Qualifizierte Personen: Spezialausbildung (z. B. Elektriker).

  • Prüfungen: Isolationstests (bis 3.000 V AC), thermische Belastungstests (≤95°C), mechanische Sicherungen (z. B. Werkzeugbedarf für Batteriefächer).

  • Neuerungen (Version 2025-01): Eine neue Tabelle mit Anforderungen für externe Stromkreise wurde hinzugefügt. Die Anforderungen für Öffnungen in Brandschutzumhüllungen wurden überarbeitet. Die Anforderungen für mit Flüssigkeit gefüllte Komponenten wurden revidiert. Die Vorgaben für Ladeeinrichtungen von Batterien wurden aktualisiert. Die Klausel 4.1.1, die bisher die Verwendung von Komponenten nach den älteren Normen IEC 60950-1 und IEC 60065 erlaubte, ist in dieser Version nicht mehr enthalten

Inhalt, Anwendungsbereich und Prüfungen:

Inhalt:

Die DIN EN IEC 62368-1 ist eine harmonisierte Norm, die Sicherheitsanforderungen für Geräte der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie für Audio/Video-Geräte festlegt. Sie ersetzt die älteren Normen IEC 60065 (Audio/Video) und IEC 60950-1 (IT-Geräte) und führt einen risikobasierten Ansatz ein, der auf Hazard-Based Safety Engineering (HBSE) beruht. Hazard-Based Safety Engineering (HBSE)

Die HBSE-Methodik umfasst vier Schritte:

(1) Identifikation von Energiequellen:

  • Elektrische Energie (z. B. Hochspannungskomponenten).

  • Thermische Energie (z. B. Heizelemente).

  • Mechanische Energie (z. B. rotierende Teile).

  • Chemische Energie (z. B. Batterien).

  • Strahlungsenergie (z. B. Laser).

(2) Klassifizierung der Energiequellen:

  • Klasse 1: Energie reicht nicht aus, um Schmerzen oder Verletzungen zu verursachen (z. B. Niederspannungsstromkreise <60 V DC).

  • Klasse 2: Energie kann Schmerzen auslösen, aber keine dauerhaften Schäden (z. B. Berührungsspannungen bis 120 V DC).

  • Klasse 3: Energie ist ausreichend, um Verletzungen oder Brände zu verursachen (z. B. Netzspannung).

(3) Bewertung der Übertragungswege:

  • Direkte Berührung, Lichtbögen, Wärmeleitung oder Strahlung.

(4) Implementierung von Schutzmaßnahmen (Safeguards):

  • Isolation: Trennung gefährlicher Spannungen durch Isolationsmaterialien (z. B. Transformatoren).

  • Mechanische Sicherungen: Werkzeugbedarf zum Öffnen von Batteriefächern, um Zugang durch Laien zu verhindern.

Spezifische Anforderungen:

  • Outdoor-Geräte: Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, Temperaturzyklen (-33°C bis +40°C) und UV-Strahlung. Gehäuse müssen gemäß Anhang Y der Norm konstruiert sein (z. B. IP-Schutzklassen).

  • Drahtlose Energieübertragung: Begrenzung der Erwärmung metallischer Fremdkörper auf ≤70°C während des Ladens. Tests simulieren typische Alltagsszenarien (z. B. Münzen oder Schlüssel auf Ladepad).

  • Batteriesicherheit: Batteriefach muss zwei unabhängige Bewegungen oder ein Werkzeug zum Öffnen erfordern.

Anwendungsbereich:

  • Abgedeckte Geräte: Konsumgüter wie z.B. Smartphones, Fernseher, Lautsprecher, Router. Professionelle Geräte wie z.B. Server, Netzwerk-Switches, industrielle Steuerungen (sofern nicht durch IEC 60204-1 abgedeckt). Outdoor-Installationen wie z.B. Solaranlagen-Steuerungen, WLAN-Access-Points.

  • Nicht abgedeckte Geräte: Medizinische Geräte (geregelt durch IEC 60601-1). Industrielle Maschinensteuerungen (geregelt durch IEC 60204-1). Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen (geregelt durch IEC 60335-1).

Prüfungen:

Prüfbedingungen:

  • Umgebungsbedingungen: Thermische Tests unter Betrieb bei Extremtemperaturen (-33°C bis +40°C) für Outdoor-Geräte. Feuchtigkeitstests unter einer relativen Luftfeuchtigkeit von 93 % bei +40°C über 48 Stunden.

  • Betriebszustände: Tests unter maximaler Last (z. B. Volllastbetrieb eines Netzteils). Simulation von Fehlerfällen (z. B. Kurzschluss, Überlastung).

Durchgeführte Prüfungen:

(1) Isolationsprüfung:

  • Spannungsfestigkeit: Anlegen von 3.000 V AC zwischen Primär- und Sekundärstromkreisen für 1 Minute (kein Durchschlag erlaubt).

  • Isolationswiderstand: Messung mit 500 V DC; Mindestwert ≥10 MΩ.

(2) Thermische Prüfung:

  • Überwachung der Oberflächentemperaturen berührbarer Teile (Grenzwert: ≤95°C).

  • Infrarotthermografie zur Identifikation von Hotspots.

(3) Mechanische Sicherheit:

  • Batteriefach: Erfordert Werkzeug oder zwei simultane Handbewegungen zum Öffnen.

  • Stabilitätstest: Kipptests für stehende Geräte (z. B. Monitore).

(4) Drahtlose Energieübertragung:

  • Platzierung von Metallobjekten (Durchmesser ≤32 mm) auf dem Ladepad.

  • Messung der Oberflächentemperatur mit Thermoelementen (≤70°C).

Auswertung:

  • Energieklassifizierung: Einstufung aller identifizierten Gefahren in Klasse 1–3.

  • Safeguard-Effektivität: Nachweis, dass Schutzmaßnahmen die Energieübertragung unter Schwellenwerten halten (z. B. Isolationsmaterialien verhindern Berührungsspannungen >60 V DC). Performance-Kriterien sind Kriterium B: Vorübergehende Funktionsstörung, die sich selbst behebt und Kriterium C: Manueller Reset erforderlich.

Dokumentation:

  • Technische Unterlagen: Gefahrenanalysen, Testprotokolle, Zertifikate für verwendete Komponenten (z. B. Transformatoren). Nachweis der Konformität mit allen relevanten Klauseln der Norm.

  • Konformitätserklärung: Muss die Anwendung der neuesten Version bestätigen. Bei Designänderungen ist eine Nachzertifizierung erforderlich.

Alternative Normen:

  1. IEC 60065: Vorgängernorm für Audio/Video-Geräte (bis 2020 gültig).

  2. IEC 60950-1: Vorgängernorm für IT-Geräte (ersetzt durch IEC 62368-1.

  3. IEC 61010-1: Sicherheitsanforderungen für elektrische Mess- und Laborgeräte.

  4. IEC 60601-1: Medizinische Elektrogeräte.

  5. IEC 60335-1: Sicherheit von Haushaltsgeräten (z. B. Kühlschränke, Waschmaschinen).


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